WWL Gruselmärchen Nr.1:

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass längeres Lernen in der Grundschule zu besseren Lernergebnissen führt.

Richtig ist :

Wissenschaftler werden nie eine endgültige Aussage darüber treffen, welche Schulstruktur die richtige ist. Sie treffen aber Aussagen darüber, unter welchen Rahmenbedingungen sich sowohl gute Leistungen als auch Chancengerechtigkeit feststellen lassen. Und beides – gute Schülerleistungen und faire Chancen – gibt es gleichzeitig nur in Ländern, in denen die Kinder in der Schule länger gemeinsam lernen. Längeres gemeinsames Lernen führt dazu, dass stärker die Leistungsfähigkeit und weniger der familiäre Hintergrund über den Bildungserfolg entscheidet. Leistungspotentiale entwickeln sind in der vierten Klasse noch nicht voll entwickelt, so dass die folgende Schulempfehlung falsch ausfallen kann, was auch die Rückschulungen von den Beobachtungsstufen belegen. Verlierer der frühen Aufteilung sind dabei vor allem Kinder mit Migrationshintergrund sowie Jungen.

Darüber hinaus gibt es Belege, dass längeres gemeinsames Lernen zu besseren Lernergebnissen führt und zugleich mehr Chancengerechtigkeit schafft. Prof. Lehmann weist in seiner Berliner ELEMENT-Studie nach, dass Lernschwächere profitieren, Prof. Baumert in der Nachanalyse der gleichen Studie, dass Lernstarke mindestens genauso gut lernen – und das bei unverändertem Unterricht. Wenn der Unterricht zugleich noch individualisiert wird, ist vorhersehbar, dass die Leistungsstarken durch anspruchsvollere auf sie zugeschnittene Aufgaben profitieren werden. WWL führt Brandenburg als Negativ-Beispiel an. Dieser Vergleich hinkt, weil Brandenburg eine sechsjährige Grundschule hat. Hamburg dagegen bekommt eine sechsjährige Primarschule mit Englisch ab Klasse 1, Fachunterricht ab Klasse 4, Fortbildung der LehrerInnen, kleineren Klassen und einer Neuen Lernkultur.

Schule kann nur gelingen, wenn BEIDES gut ist: die Schulstruktur und die Unterrichtskultur. Deshalb wird kein Wissenschaftler die einfache Frage „4 oder 6″ mit einer einfachen Ziffer beantworten.

http://tinyurl.com/2ubaahg

Prof. Schleicher im Treibhäuser der Zukunft Interview:

„Wenn sie ein Land wie Deutschland, Ungarn oder die Tschechische Republik nehmen, hier im unteren Bereich eingezeichnet: das sind alles Länder, die diese Philosophie sehr stark verankert haben und sie finden keines dieser sehr stark selektierenden Systeme unter den erfolgreichen Staaten. Es gibt nicht eine einzige Ausnahme. “

Oder Prof. Stern, auch bei den Treibhäusern der Zukunft:

„Da gibt es aber komischerweise, ich weiß nicht woran es liegt, eine starke deutsche Tradition, der zufolge man meinte, für jeden Menschen gäbe es den richtigen Platz. In der Ständegesellschaft war es so und dann später, als man das dreigliedrige Schulsystem entwickelte, und wenn sich ein Mensch dann nicht gut entwickelte, dann nur deswegen, weil man nicht rechtzeitig dafür gesorgt hatte, dass er auf den Platz kam, auf den er eigentlich gehörte. Das ist ja eine völlig absurde Vorstellung, gerade in dieser Zeit jetzt, wo niemand so richtig weiß, was in fünfzig Jahren sein wird.“

 

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WWL Gruselmärchen Nr.2:

Statt zwei Jahren vor der Pubertät bleibt Schülern, Eltern und Lehrern ausgerechnet die verflixte siebte Klasse für die Entscheidung über den Verbleib auf dem Gymnasium.

Richtig ist :

WWL begründet seine Ablehnung unter anderem mit dem Begriff „Pseudo-Elternwahlrecht“. Dies erweckt den Eindruck, dass die Eltern bei der zukünftigen Regelung eine im Vergleich zum heutigen „echten Elternwahlrecht“ eingeschränkte oder nur „angebliche“ Wahl über die weiterführende Schulform ihrer Kinder hätten. Das ist falsch. In Zukunft gehen alle Kinder bis zum Ende der 6. Klasse gemeinsam auf eine Primarschule. Danach können die Eltern uneingeschränkt die weiterführende Schule wählen – nur fällt diese Entscheidung zwei Jahre später als bisher. Der Vorteil: Je älter das Kind ist, desto sicherer ist die Prognose, welche weiterführende Schule optimal ist. Über den Verbleib am Gymnasium entscheidet weiterhin (wie jetzt auch schon!!!) die Leistung, mit der Schulreform aber erst nach der 7. Klasse. Zwischen den Klassen 8 und 10 darf ein Schulformwechsel nur auf Wunsch der Eltern vorgenommen werden.

Wirklich richtig ist: Das „Pseudo-Elternwahlrecht“ gibt es heute. Zwar dürfen Eltern nach Klasse 4 vorläufig entscheiden, dass ihr Kind auf ein Gymnasium kommt. Nach Klasse 6 und dann jedes Jahr erneut entscheiden aber die Zeugniskonferenzen, ob das Kind auch dort verbleiben darf. Von dieser Abschulung machen die Hamburger Gymnasien regen Gebrauch. Bereits am Ende von Klasse 6 haben sie sich von fast 10% der Schüler getrennt (http://www.hamburger-bildungsserver.de/schulentwicklung/qualitaet/KESS-7-Bericht_140507.pdf, Seite 75). Insgesamt verlassen jedes Jahr ca. 600 Schüler und Schülerinnen die Gymnasien und müssen von den auffangenden Schulen in jahrelang bestehende Klassenverbände integriert werden.

Wenn ein Schulwechsel und Pubertät nach Klasse 6 wirklich ein Problem wäre, wären die Nachbarländer in Europa ganz schnell davon abgerückt. Das „verflixte 7. Jahr“ ist eine Erfindung. Diese „Bauernweisheit“, die aus dem verflixten 7. Jahr der Ehe übertragen wurde, ist empirisch nicht belegbar. Im Gegenteil, Studien belegen dass die Pubertät immer früher eintritt, in 2010 bereits  im Alter von 10 Jahren, also genau in dem Alter, wie die Kinder heute noch wechseln müssen. Von der Argumentation her müsste also eine spätere Wechsel im Sinne der Reformgegner sein, wenn die Grundschulzeit zukünftig verkürzt werden sollte.

Die Elternkammer, die von WWL als Kronzeuge angeführt wird, kritisiert im übrigen nicht den Zeitpunkt des Elternwahlrechtes, sondern die Tatsache, dass Eltern überhaupt ein Wahlrecht bekommen sollen, als Verwässerung der Schulreform und als Gefahr für die Stadtteilschulen. Sie gibt zu Bedenken, dass Eltern entgegen der Beratung der Primarschullehrer ihre Kinder zum Gymnasium schicken können. Damit würden die Kinder in der Pubertät einem nicht der individuellen Leistungsfähigkeit angepassten Leistungsdruck ausgesetzt. Die Elternkammer befürwortet die Schulreform, sie gibt lediglich die Folgen des Elternwahlrechts nach Klasse 7 zu bedenken.

Vom Deutschen Lehrerverband zitiert WWL den Landesvorsitzenden Matthias Oelrich, der ein Elternwahlrecht strikt ablehnt, damit die Stadtteilschule nicht zur Restschule verkommt.

 

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WWL Gruselmärchen Nr.3:

In vielen Ländern mit längerem gemeinsamen Lernen ist der Privatschulanteil sehr hoch, die personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen viel besser oder die PISA-Werte sind schlechter.

Richtig ist :

Hier wird gegen etwas argumentiert, was nicht behauptet wird. Mit der unbezweifelbaren Aussage, dass längeres gemeinsames Lernen (6 Jahre oder mehr) in Europa Standard ist, wird nicht behauptet, dass es in allen Ländern deshalb besser ist. Was aber eindeutig ist und nicht wegzudiskutieren: PISA bescheinigt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern mittlere Schülerleistungen, aber einen sehr starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Und hinsichtlich des Abstandes zwischen Hamburg und den Pisa-Siegerländern darf man sich keiner Illusion hingeben: der ist GIGANTISCH. Im Vergleich zu Finnland, Neuseeland und Kanada spielt Hamburg schlicht und ergreifend in einer niedrigeren Liga: http://i8t.de/yzq7wolr

Der Zugang zu den Schulen, die zum Abitur führen, steht zwar theoretisch allen offen, faktisch werden sie aber in erster Linie von Kindern aus bildungsnahen Familien ohne Migrationshintergrund besucht. Der Zusammenhang zwischen längerem gemeinsamem Lernen und der Entscheidung nach Leistung und nicht nach Herkunft ist darüber hinaus klar belegt. Wer das Schulsystem gerechter machen will, der braucht also das längere gemeinsame Lernen. Und das ist keinesfalls irgendeine abseitige, unvorstellbare Idee, sondern in Europa Standard.

Das in den Diskussionen immer so gerne angeführte Finnland hat eines verstanden: es stellt das Kind in den Mittelpunkt der Schule. Das macht die Primarschule mit individualisiertem Unterricht auch. Sozialarbeiter, Assistenten, Krankenschwestern, wer hindert uns daran, das in Zukunft auch für unsere Schulen zu fordern? Finnlands Schulen sind inklusiv, d.h. sie enthalten auch alle Formen von Behinderungen, natürlich mit den entsprechenden Fachkräften dazu. Diese sind in Hamburg verteilt über Förderzentren, Sonderschulen, Rebus-Stellen (mit eindeutiger Zuordnung von Schulpsychologen zu Schulen), die verschiedenen Typen von Integrationsklassen, GS-Beratungsdienste. Würde man diese Ressourcen in perfekt inklusive Hamburger Schulen geben, hätten wir beim Betreuungs- und Spezialistenpersonal finnische Verhältnisse. Und die so viel gepriesene Zahl von 50 SchülerInnen pro Schule ist sogar kontraproduktiv, da diese Zahl auch eine gewisse Anregungsarmut und wenig Vielfalt produziert. Ferner zeigen große und erfolgreiche Gesamtschulen wie Max-Brauer, dass bei großen Schülerzahlen effektive Binnenstrukturen den Schülern Überschaubarkeit, Geborgenheit und pädagogische Effektivität sichern.

Wer sich genauer mit dem skandinavischen Schulsystem beschäftigen möchte: Eine lesenswerte Beschreibung über das schwedische Schulsystem „aus eigener Anschauung“ hat der user Sjoe Roevare unter facebook veröffentlicht: http://tinyurl.com/3x5z5y8

WWL begründet sein Märchen damit, Bayern und Sachsen als „klassische und konservative“ Länder hätten bei PISA besonders gut abgeschnitten. Dass Bayern und Sachsen so gute PISA-Ergebnisse hervorbringen, hat unter anderem damit zu tun, dass der Anteil der ländlichen Gebiete die der Großstädte bei weitem übersteigt. Darüber hinaus ist beispielsweise in Sachsen der Anteil der Sonderschüler extrem hoch (8% – im Vergleich zu Hamburg: 3%) und der Anteil der Gymnasiasten sehr niedrig (30%). Das System schafft es also nicht, genügend Kinder zu fördern.

Eine weitere Begründung ist die angeblich gar nicht so hohe Abbrecherquote der Schulabbrecher im internationalen Vergleich. Doch hier vergleicht WWL leider Äpfeln und Birnen. Die Hamburger Statistik meint die Zahl der Schulabbrecher mit 15 (8,2%). Die OECD-Statistik meint die 16-18-jährigen (15%).

Und was die Privatschulen angeht: Die Privatschulen im europäischen Ausland sind nicht Privatschulen wie man sie sich zunächst vorstellt. In Finnland sind die 30 bestehenden Privatschulen nur Montessori-Schulen, Waldorf-Schulen oder Schulen konfessioneller Schulträger. Finnland schneidet sehr gut ab bei PISA, aufgrund der guten pädagogischen Konzepte der Schulträger. 35% der Schüler/innen in Spanien gehen auf eine Privatschule. Spanien schneidet bei PISA vergleichsweise schlecht ab. In den Niederlanden sind Privatschulen zu 100% staatlich finanziert – das ergibt selbstverständlich eine andere Quote an Privatschulen.

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WWL Gruselmärchen Nr.4:

In der Schule sollen Kinder Wissen und Kompetenzen erlernen. Diese Bildung ist die beste Garantie für soziale Aufstiegschancen.

Richtig ist :

Starke Schülerleistungen und soziale fair verteilte Chancen gibt es gleichzeitig in den OECD-Staaten nur, wenn längeres gemeinsames Lernen gegeben ist. Noch einmal: In Hamburg hat ein Kind aus einer „höheren Dienstklasse“ bei GLEICHER Leistung eine mehr als 4 Mal höhere Chance, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen nach Klasse 4 als ein Kind aus einer „niedrigen Dienstklasse“. Das darf so nicht weitergehen – auch angesichts der Tatsache, dass heute knapp 50% der Erstklässler einen Migrationshintergrund haben. Eine Empfehlung nach Klasse 6 ist weitaus zuverlässiger als nach Klasse 4 und wird aus diesem Grund weniger von der sozialen Herkunft abhängen. Falsch ist die Behauptung von WWL, dass das längere gemeinsame Lernen in der Primarschule daran nichts ändern kann. Das Gegenteil ist belegt (s. o.)

Fakt ist: Sechs Jahre gemeinsam zu lernen, gibt die Chance an individuellen Schwächen der Schüler mit angemessenen pädagogischen Konzepten zu arbeiten. Und es gibt allen Kindern Zeit, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und zu zeigen. Frühe Selektion bedeutet immer soziale Selektion. Sie benachteiligt Jungen! Sie benachteiligt Migrantenkinder! Je früher sich Bildungskarrieren entscheiden, desto stärker fallen soziale Einflussfaktoren ins Gewicht. Die Primarschule bedeutet auch eine längere Sprachförderung – endet diese bislang normalerweise in der 4. Klasse, wird sie künftig in der Primarschule bis zur 6. Klasse fortgeführt.

Übrigens: Wer hindert uns daran, nach der erfolgreichen Einführung der Primarschule eine weitere Verbesserung der vorschulischen Erziehung zu fordern? Im Senat werden die Prioritäten zwischen den verschiedenen Politikbereichen, und damit auch das Geld verteilt. Ein Erfolg beim Volksentscheid für die Primarschule führt zu einer Stärkung der Bildungspolitiker im Senat. Das wären gute Aussichten, in Zukunft mehr Geld für die Vorschulerziehung durchzusetzen. Darüber hinaus ist die Vorschule billiger als die Kita (vgl. Ds. 19/5382 – ein Jahr Vorschule kostet 4.161 EUR, ein vergleichbares Betreuungsangebot von 5 Stunden ohne Mittagessen kostet in der Kita in einem Jahr 5.461 EUR). In der Vorschule werden auch keine Gebühren erhöht – die Vorschule ist und bleibt gebührenfrei.

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WWL Gruselmärchen Nr.5:

Gymnasien werden Probleme bekommen, weil sie nach dem Wegfall der Jahrgangsstufen 5, 6 und 13 zu wenig Schüler und Lehrer haben. Auch die Profile werden darunter leiden….

Richtig ist:

Gibt es eine als Mindestgröße festgelegte Zahl von 480 Schülerinnen und Schülern? Nein, die gibt es nicht. Im Hamburgischen Schulgesetz ist für die Gymnasien lediglich eine Mindestzügigkeit festgelegt. § 87 (2) besagt: „(2) Die Primarschule wird mindestens zweizügig, die Stadtteilschule und das Gymnasium werden mindestens dreizügig geführt.“ Gefährdet ist eine Schule in ihrem Bestand nur, wenn, so §87 (2) weiter, „die Mindestzügigkeit in den Eingangsklassen in zwei aufeinander folgenden Schuljahren nicht erreicht“ wird. Mit anderen Worten: so lange ein Gymnasium mit drei Parallelklassen startet, bleibt es bestehen. Und das ist genau das, was auch schon zuvor im Schulgesetz stand.

Viele Profile können auch ab Klasse 7 beginnen. Für andere Profile werden die Gymnasien mit den Primarschulen zusammenarbeiten. Die Wahl kann nicht darin bestehen, auf die Primarschule zu verzichten, damit zum Beispiel Altgriechisch gerettet wird. Wer Altgriechisch unbedingt über einen reinen Distinktionsgewinn hinaus für sein Studium braucht, kann prima einen Kurs an der Uni belegen.

Und übrigens widerspricht sich WWL hier: Erst nennt WWL als Gegenargument, dass in Finnland kleinere Schulen zum Bildungserfolg der Schüler beitragen (Märchen Nr. 3), im selben Atemzug sagen sie, dass in Hamburg kleinere Gymnasien den Bildungserfolg gefährden…

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WWL Gruselmärchen Nr.6:

Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Ties Rabe, schätzt die direkten baulichen Primarschulfolgekosten nach Infos aus der Behörde auf 1,2 Milliarden Euro.

Richtig ist:

Die Schulbehörde setzt die Baukosten, die im Zusammenhang mit der Schulreform anfallen, mit 190 Millionen in den nächsten drei Jahren an. Diese Kosten entstehen zu einem großen Teil durch die kleineren Klassen. Denn kleinere Klassen bedeuten auch mehr Klassen und damit mehr Räume. Dazu kommen Fachräume für den früheren Fachunterricht und Einrichtungen für neue Ganztagsschulen sowie z. B. die Einrichtung längst überfälliger Lehrerarbeitsplätze. Noch nicht in diesen Betrag eingerechnet sind dabei die Kosten, die durch die von der Bürgerschaft beschlossene erneute Verkleinerung der Klassen auf 19/23 Kinder entstehen.

Hamburgs Schulen sind leider viele Jahre nicht saniert worden. Der Sanierungsstau beträgt rund 3 Milliarden EUR. Die Stadt hat mit dem Sondervermögen Schulbau nun die Sanierung aller Schulen in den nächsten zehn Jahre eingeleitet. Im Zuge dieser Sanierung wird auch der zusätzliche Raumbedarf gelöst. Bei manchem Schulgebäude ist sogar Abriss und Neubau günstiger, als es zu sanieren. Das Geld, das die wichtige und überfällige Sanierung kostet, kann man jedoch nicht auf die Einführung der Primarschule zurückführen.

Gleichzeitig werden leer stehende Räumlichkeiten auch genutzt. Dort, wo Primarschulen ihren Raumbedarf nicht mit den eigenen Gebäuden decken können und nebenan Räume in einer weiterführenden Schule frei sind, werden diese freien Räume auch verwendet.

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WWL Gruselmärchen Nr.7:

Den Schulfrieden hatte die Bürgerschaft parteiübergreifend bereits 2007 beschlossen. Und schwarz-grün hat ihn mit den Primarschulplänen wieder zerstört. Seither herrscht Unfrieden.

Richtig ist:

 Diese Aussage beinhaltet gleich mehrere Probleme:

Erstens hat die Enquetekommission ein System aus Stadtteilschulen und Gymnasien beschlossen – die Gesamtschulen sollten in der Stadtteilschule aufgehen. Wer also für den „Erhalt der … Gesamtschulen“ eintritt, tritt NICHT für die Empfehlungen der Enquetekommission ein.

Zweitens hat die GAL in der Enquetekommission gegen diese Empfehlung gestimmt.

Drittens gab es in der Bürgerschaft zur Umsetzung der Enquetekommissionsempfehlungen erst Recht keine einstimmigen Beschlüsse, sondern nur einen mit den Stimmen der CDU gegen SPD und GAL!

Mit dem nun vereinbarten Schulfrieden bekommt Hamburg endlich das richtige Signal für Sicherheit und Planbarkeit für die nächsten 10 Jahre. Alle in der Bürgerschaft vertretenen Parteien haben verbindlich beschlossen, die Schulreform so umzusetzen, wie sie bereits im Schulgesetz verankert ist – über die nächsten Legislaturen und eventuell wechselnde Regierungskonstellationen hinaus .

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WWL Gruselmärchen Nr.8:

Der Besuch der weiterführenden Schule ab Klasse 5 benachteiligt weder Spätentwickler noch Kinder aus sozialen Brennpunkten.

Richtig ist:

Wir wiederholen uns langsam: Je später die Trennung, desto mehr entscheidet die Leistungsfähigkeit, desto weniger entscheidet die soziale Herkunft. Je später die Lehrer entscheiden, desto mehr wissen sie über die Kinder selbst und ihre Fähigkeiten, desto weniger gehen sie nach dem familiären Hintergrund. WWL reißt dabei ein Zitat des Befürworters längeren gemeinsamen Lernens, Prof. Tillmanns, aus dem Zusammenhang, der an einer Stelle gesagt hat, dass Lehrer eher nach der sozialen Herkunft der Kinder die Schulform auswählen als nach Leistungen. Tatsächlich beschreibt er eben den Ist-Zustand der starken sozialen Selektion, der verändert werden sollte.

Die Welt berichtet mit der Überschrift „Bildungsforscher sprechen sich für die Primarschule aus“ (http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/hamburg/article7283671/Bildungsforscher-sprechen-sich-fuer-die-Primarschule-aus.html). Unter anderem sagte dort Tillmann: „Die Frage ist aber, ob die Verlängerung der Grundschulzeit um nur zwei Jahre bereits die erhofften Erfolge bringen kann“, so Tillmann. „Meine Einschätzung ist, dass die sechsjährige Primarschule einen Rahmen liefert, der positiv zu gestalten ist – das muss aber auch passieren.“ Wissenschaftlich widerlegt sei aber die Befürchtung, dass die Primarschule die leistungsstärkeren Schüler bremse.

Prof. Tillmann weist darauf hin, dass der sozial ausgleichende Effekt bei noch längerem als 6 Jahre gemeinsamem Lernen besser eintritt, dass das Elternwahlrecht einen Teil des sozial ausgleichenden Effekts wieder umkehrt und dass die Schule sich auch in der Unterrichtsqualität allgemein steigern muss. Die logische Schlussfolgerung daraus wäre dann eher: 8-10 Jahre gemeinsames Lernen, Elternwahlrecht abschaffen, Schulqualität steigern.

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WWL Gruselmärchen Nr.9:

Hamburg holt auf. Seit 2005 reduziert sich die Zahl der Schulabbrecher und erhöht sich die Zahl der Abiturienten.

Richtig ist:

Stimmt, allerdings sehr langsam. Und die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg bleibt. Die Schulreform hat das Ziel, die Zahl der Abiturienten und mittleren Schulabschlüsse weiter zu steigern und die Zahl der Schulabbrecher zu senken. Es geht darum, dass ein Schulsystem in seinen Strukturen so weit verbessert wird, dass alle Menschen die Chance auf eine optimale schulische Ausbildung haben. Mit der Schulreform werden die starken wie die schwachen Schüler entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit individueller, besser und gerechter gefördert. Gesellschaft und Wirtschaft brauchen mehr gut ausgebildete junge Leute. Das ist unsere volkswirtschaftliche Ressource.

Darüber hinaus sind über 25% der 15jährigen Hamburgerinnen und Hamburger, was ihre Fähigkeiten im Lesen, Rechnen und Schreiben angeht, auf dem Stand eines durchschnittlichen Viertklässlers. Das ist ein schwerwiegendes Problem, dem die Schulreform begegnen will. Wenn eine Schülerin oder ein Schüler trotz der fehlenden Kompetenzen den Abschluss formal schafft, sagt das nichts über die Qualität der Schule, sondern über die des Abschlusses aus.

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WWL Gruselmärchen Nr.10:

Keine Studie weist darauf hin, dass längeres gemeinsames Lernen starke Schüler zusätzlich stärkt.

Richtig ist:

Stimmt. Was stärkeren Schüler ebenso wie allen anderen nützt ist der individualisierte Unterricht. Und es gibt Studien, die beweisen die beweist, dass in heterogenen Lerngruppen starke Schüler in ihren Leistungen nicht benachteiligt werden und darüber hinaus bei längerem gemeinsamem Lernen (also mehr als ein, zwei Jahren) sogar gefördert werden. Unbestritten ist die Tatsache, dass die so wichtige Sozial-, Selbst- und Lernkompetenz in heterogenen Lerngruppen besser gefördert werden kann.

Es ist reines Wunschdenken, dass man in homogenen Lerngruppen besser leistungsgerecht fördern kann, denn so etwas wie homogene Lerngruppen gibt es in der Realität nicht. Lerngruppen bestehen immer aus starken, schwachen und durchschnittlichen Schülern – denn Schüler sind sehr, sehr selten in allen ihren Fächern gleich stark oder gleich schwach. Optimale Förderung ist immer individualisierte Förderung. Längeres gemeinsames Lernen erleichtert individualisiertes Lernen erheblich.

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WWL Gruselmärchen Nr.11:

Es hilft jedoch keinem Kind bei der Integration, wenn es in Wilhelmsburg, Billstedt, Volksdorf oder Blankenese zukünftig 6 Jahre zur Grundschule geht.

Richtig ist:

Diese Aussage ist Unsinn: Selbst wenn sich die Hamburgerinnen und Hamburger gegen die Primarschule aussprechen, wird es nicht noch Gesamtschulen neben den Stadtteilschulen geben. Denn die bisherigen Gesamtschulen, die Haupt- und Realschulen sowie die Aufbaugymnasien werden zu Stadtteilschulen zusammengefasst. So hatte es auch schon die Enquetekommission 2007 empfohlen. Alle anderen Punkte (Abitur, Büchergeld, Klassengröße, neue Lernkultur, Sanierung) sind nicht Gegenstand des Volksentscheids. Das alles hat nichts mit „Wir wollen lernen“ zu tun.

Der zehnjährige Schulfrieden ist das Ergebnis einer Vereinbarung von CDU, GAL und SPD, in der sie sich für die nächsten zehn Jahre verpflichten, die jetzt beschlossenen Schulstrukturen mit 6-jähriger Primarschule und den beiden weiterführenden Schulformen der Stadtteilschule und des Gymnasiums nicht zu ändern – unabhängig davon, wer in den nächsten Legislaturperioden die Regierung stellt. Daran sind also alle gebunden. Für den Fall, dass der Volksentscheid die von der Bürgerschaft beschlossene Schulstruktur nicht bestätigt, gilt diese Vereinbarung nicht.
Außerdem würden die kleinen Klassen in den Jahrgangsstufen 5 und 6 nicht kommen, da diese ja in diesem Fall nicht an die Klassenstufen 1 bis 4 der Grundschule mit den kleinen Klassen (20/25, aufwachsend 19/23) anschließen würden, sondern an die weiterführenden Schulen (Klassengrößen 25 in der Stadtteilschule bzw. 28 am Gymnasium).

Es würden keine Lehrer weiterführender Schulen an den Grundschulen unterrichten. Dadurch würde der frühere Fachunterricht ab der 4. Klasse durch diese Lehrer entfallen. Die Erfahrung und die besonderen Fachkenntnisse dieser Lehrkräfte würden auch für einen besseren Übergang der Schülerinnen und Schüler in die weiterführende Schule fehlen.

Darüber hinaus wäre die Weiterführung sehr vieler, mit der Schulreform verbundener Entwicklungen fraglich. Viel Arbeit – etwa für neue Unterrichtskonzepte – wäre umsonst geleistet worden. Deshalb muss man befürchten, dass die beteiligten Personen, die schon viel Arbeit und Herzblut in die Entwicklung neuer Konzepte gesteckt haben, durch den Abbruch der Reform demotiviert würden. Davon könnten zum Beispiel beeinträchtigt werden:
 Kooperationen von Grundschulen und weiterführenden Schulen§
 Bildungskonferenzen in den Bildungsregionen§
 Entwicklung neuer Unterrichtskonzepte§
 Stärker individualisierter Unterricht§
 Teamarbeit im Kollegium§

Und zur langfristigen Bildungspolitik: Wer glaubt, kleine Klassen, individualisierter Unterricht und abgeschafftes Büchergeld bleiben, wenn die Primarschulgegner gewinnen, mag kurzfristig Recht behalten, sich langfristig aber täuschen.
Politiker haben Bildungspolitik lange Jahre als „Gedöns“ verstanden, mit dem man keine Wahlen gewinnen kann. Dementsprechend wurde Geld für Bildung immer nur in Sonntagsreden versprochen, nie aber wirklich ausgegeben. Zum ersten Mal gibt es bildungspolitisch ein ernstzunehmendes Projekt. Und das entsprechende Geld dazu. Wir haben die Politiker, die wir verdienen und wir können unsere Politiker durchaus auch erziehen. Leider auch zum Negativen hin. Verliert die Primarschule, wird Bildungspolitik für Jahrzehnte wieder zum „Gedöns“ und zum Steinbruch für Sparpolitik. Von kleinen Klassen, Lernmittelfreiheit, und Fortbildung der Lehrer zu individualisiertem Unterricht werden wir dann wieder nur in Sonntagsreden zu hören bekommen.

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WWL Gruselmärchen Nr.12:

Ein erfolgreicher Volksentscheid führt lediglich dazu, dass die 5. und 6. Klassen an den weiterführenden Schulen verbleiben und dass die Hamburger Eltern ihr Elternwahlrecht nach der 4. Klasse behalten.

Richtig ist:

Hamburger Schüler können künftig ebenso gut oder schlecht in anderen Bundesländer wechseln wie heute. Auch heute ist es gängige Praxis, dass beispielsweise Gesamtschüler aus Bundesländern mit Gesamtschule in Länder ohne Gesamtschule ziehen und für diesen Umzug eine entsprechende Einstufung erhalten.

Hamburgs Gymnasien werden weder geschwächt noch gefährdet. Im Gegenteil erhalten sie Schülerinnen und Schüler, die durch das sechsjährige gemeinsame Lernen und den frühen Fachunterricht durch Gymnasiallehrer an den Primarschulen viel besser für den Schritt auf das Gymnasium vorbereitet sind.

Die besonderen Profile der weiterführenden Schulen sind bleiben auch weiterhin erhalten. Erstens können die Schülerinnen und Schüler in der Primarschule bereits vieles von dem, was sie für die besonderen Profile brauchen. Zweitens ist es möglich, die Profile auf die neue Schulstruktur auszurichten.

Die Schulgebäude müssen in erster Linie vergrößert werden, weil die Klassen kleiner werden und dafür mehr Räume benötigt werden. Ansonsten ist es auch kein Argument, eine richtige und notwendige Veränderung der Schule deshalb zu unterlassen, weil sie nicht zu den vorhandenen Gebäuden passt.

 

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