Folgende Auszüge sind mit freundlicher Genehmigung der Veranstalter "Die Neue Lernkultur" übernommen worden:
Die strukturellen Veränderungen im Hamburger Schulsystem können nicht optimal gelingen, wenn die Kernprozesse der Schule – der Unterricht – genauso bleiben wie bisher. Bisher heißt: zum
allergrößten Teil Frontalunterricht (laut Studien etwa 90% der Unterrichtsstunden), in dem alle Schülerinnen und Schüler zur selben Zeit dasselbe lernen (sollen).
Die allermeisten Beteiligten (Lehrkräfte, Eltern und vor allem Schülerinnen und Schüler) sind sich mehr oder weniger der Tatsache bewusst, dass dies nicht funktionieren kann. Die 25 bis 30
Schülerinnen und Schüler, die in einem Klassenraum sitzen, sind eben jeweils individuell, da sie ganz unterschiedliche Lernvoraussetzungen haben: unterschiedliche Kenntnisstände, unterschiedliche
Interessen, unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten, unterschiedliche Lernwege.
Für einige Schülerinnen und Schüler ist der Frontalunterricht mit den dargebotenen „Stoffportionen“ richtig und passend: Sie sind genau auf dem Kenntnisstand, den die Lehrkraft voraussetzt, für
sie ist das Tempo genau richtig, sie sind ein Lerntyp, der gut über das Hören und Schreiben lernen kann. Kurz: Sie sind „gute“ Schülerinnen und Schüler.
Was aber passiert mit denen, die nicht den erforderlichen Kenntnisstand besitzen? Sie können den Stoff nicht an Bekanntes anknüpfen, nicht auf bestehendem Wissen aufbauen, sie kommen nicht mehr mit, kurz: Sie sind „schlechte“ Schülerinnen und Schüler.
Was ist mit denen, die besser über selber Lesen lernen, über Gespräche mit anderen, über Sehen, über Bewegung oder praktisches Tun? Auch diese Lernenden werden „schlechte“ Schülerinnen und Schüler sein.
Es werden auch diejenigen „schlechte“ Schülerinnen und Schülersein, für die die „Lernportionen“ zu klein sind. [...] Unterricht muss sich daher ändern, alle Beteiligten müssen Schule, müssen den
Unterricht neu denken. Die Lernkultur, die auf diesem Weg entsteht, ist eine, die auf der Selbstorganisation der Schülerinnen und Schüler basiert.
[...]
[... Die neue Lernkultur ist nicht, was einige Kritiker meinen, ein] „Wunschkonzert“, was die Inhalte anbelangt. Vielmehr ist es so, dass alle Schülerinnen und Schüler das, was
durch die gesetzlichen Rahmenpläne vorgegeben ist, lernen müssen. [...] Die neue Lernkultur ist jedoch ein „Wunschkonzert“, was den Prozess des Lernens anbelangt: Die Lernenden können ihr
Lerntempo selbst bestimmen, sie können selbst bestimmen, ob sie alleine oder mit Partnern/Partnerinnen lernen wollen, sie können selbst bestimmen, welchen Lernweg sie einschlagen – abhängig von
ihrem Lerntyp.
[...]
Lehrkräfte sind nicht mehr die Personen, die als Alleinunterhalter/innen den Schülerinnen und Schülern die Welt erklären – sie sind vielmehr Lernberater und –beraterinnen, die die Lernenden
begleiten. [...] Schülerinnen und Schüler sind nicht mehr diejenigen, die sechs bis acht Stunden auf ihrem Platz sitzen und das Dargebotene konsumieren, aufschreiben und bestenfalls in
Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit weiter verarbeiten.
[...]
Lernen ist nicht mehr gleichbedeutend mit Anhäufung von Wissen. Lernen heißt jetzt, sich Wissen anzueignen, um es schon in der Schule in Handeln umsetzen zu können. Es geht somit nicht mehr nur
um die Verbesserung des Wissenstandes, sondern um die Verbesserung der eigenen Kompetenz, also des Könnens.
[...]
Wenn Kinder jederzeit ihren Möglichkeiten entsprechend selbst organisiert lernen können, brauchen wir auch keine ‚homogenen’ Lerngruppen mehr. Das bedeutet, dass das jahrgangsübergreifende Lernen
völlig problemlos von den Kindern gemeistert wird und all seine Lernchancen genutzt werden können.
Nun wird es viele Kritiker/innen geben, die sagen: „Das kann nicht gelingen, das können die Schülerinnen und Schüler nicht leisten“.
Hier können wir nur sagen:
„Es gibt genügend Beispiele dafür, dass es gelingen kann!“
Um nur einige wenige Beispiele staatlicher Schulen in Hamburg zu nennen:
die Clara-Grunwald-Schule in Neu-Allermöhe,
die Schule Rellinger Straße in Eimsbüttel,
die Grundschule Heidhorst in Boberg,
die Max-Brauer-Schule in Altona oder
die Reformschule Winterhude.
Auf www.Neue-Lernkultur-Hamburg.de finden Sie viele weitere Informationen zu diesem Thema. Die "Neue Lernkultur" ist ein interessantes aber auch umfangreiches Feld. Vor allem möchten wir auf deren praxisorientierte Informationsveranstaltungen hinweisen, die vielerorts in Hamburg stattfinden. Diese Veranstaltungsreihe wurde von einem interessierten Personenkreis ins Leben gerufen, die das "Neue Lernen" Eltern, Schülern, Lehrern und anderen Interessierten näher vermitteln möchten. Ob und wann eine Veranstaltung in Ihrer Nähe stattfindet, erfahren Sie auf deren Veranstaltungsseite
Hinweis: Dieses Angebot ist nicht von PROSchulreform Hamburg e.V. initiiert, für weitere Informationen bitte direkt dort Kontakt aufnehmen.
Sehenswert sind auch mehrere Filme zum neuen Lernen. Auf der Infowebsite der Schulbehörde können Sie zahlreiche Filme ansehen.
Auf der Website des Archivs der Zukunft finden Sie weitere Filme von Autoren wie Reinhard Kahl, teilweise kostenlos, teilweise zum Kauf.
Dieser Film der Bertelsmann-Stiftung von Erika Fehse zeigt in kleinen Episoden wie neues Lernen funktionieren kann. Er gibt Einblicke aus dem Unterricht an verschiedenen Schulen in Nordrhein-Westfalen.





